2016

Feyzi Demirel - Istanbul’um

Feyzi Demirel - Istanbul’um

 

Fotobuch-Regal.de - Rezension: Feyzi Demirel - Istanbul'um

 

 

Inhalt:

 

Das Buch Feyi Demirel - Istanbul'um* ist eine interessante Produktion aus dem Seltmann+Söhne Verlag.

 

Schon das sehr persönliche Vorwort outet den Autor und Fotografen Feyzi Demirel als Kenner und Liebhaber der Stadt Istanbul.

Der Name des Autors ließ es bereits vermuten, dass es sich hier um einen Kenner der türkischen Nation handelt. Interessanter Weise lebt er als gebürtiger Mühlheimer in Deutschland, besucht die Stadt Istanbul aber regelmäßig seit seiner Kindheit fast jährlich. Dieses Buch beruht überwiegend auf Bildmaterial aus dem Jahr 2015.

 

"Meine Liebe zu Istanbul ist eine alte. Bereits seit meiner Kindheit kreuzen sich unsere Wege in einem fast jährlichen Rhythmus. Und es sind genau diese anfänglichen Begegnungen, die, obwohl sie sich heute nur noch sehr verschwommen vor meinem geistigen Auge abspielen, meine Zuneigung zu dieser Stadt erst ermöglicht haben: das Meer, nicht aufhören wollende Straßen, eine Symphonie aus Autohupen, mit Chlor durchsetztes Leitungswasser, Katzen, Müllberge an den Straßen und natürlich Onkel Ahmet, das Gesicht meiner Istanbul-Besuche.

Es war mir eine Herzensangelegenheit, das heutige Istanbul für mich und für Sie festzuhalten. Größtenteils bilden etliche Reisen im Jahr 2015 die Grundlage für „Istanbul’um“, meine fotografische Liebeserklärung an diese magische Stadt am Bosporus. Ich hoffe, Sie genießen den Anblick, so wie ich es immer wieder tue."

 

 

Mich als Leser, als ehemaliger Besucher der Stadt Istanbul und als Liebhaber der klassischen Istanbul-Fotografie von Ara Güler interessierte, wie ein jüngerer und moderner Kenner die Stadt Istanbul heutzutage porträtiert.

Der kürzlich verstorbene Ara Güler war ein international bekannter Street-Photographie-Künstler, der mit seiner alten Leica Sucherkamera die Stadt Istanbul in Schwarz-Weiß porträtierte. Er war bekannt für seine eher melancholischen Alltagsporträts, die eine ganz besondere reizvolle Stimmung der Stadt zeigten. Eine Stadt im Wandel der Zeit zur Moderne hin, mit ganz typischen Merkmalen, die man dort in der Stadt sieht, alles mit Lichtspielerein, die den Menschen ins Zentrum stellen, ganz nah an ihm dran sind.

 

Das vorliegende Buch könnte man auf den ersten Blick mit einem Werk von Ara Güler verwechseln.

 

Nach einer kurzen Einleitung, dreisprachig in Deutsch - Türkisch - Englisch, finden sich 100 hervorragende Aufnahmen Schwarz-Weiss-Fotografien aus der Stadt.

"Menschen stehen in meiner Fotografie im Vordergrund. So bin ich für mein Projekt in die Stadt eingetaucht und habe mich auf die Suche nach Menschen und wertvollen Motiven gemacht", schreibt er auf dem Fotografieblog kwerfeldein.de.

"Wer Istanbul richtig spüren möchte, der muss eintauchen in diese Stadt, dahin, wo sich ihre Seele versteckt. Es sind gerade die traditionsreichen Stadtteile wie die Altstadt, Balat, Tarlabasi, Beyoglu, Kasimpasa oder Kadiköy, die einem ein Gefühl für die Besonderheit dieser Perle am Bosporus geben können – insbesondere, wenn man sich auch den Menschen öffnet."

 

Viele Alltagsbilder erkennt man auf den ersten Blick wieder, wenn man die Stadt schon einmal besucht hat: den umtriebigen Eingangsbereich zum großen Marktbereich mit Blick auf die Blaue-Moschee im Hintergrund, die Eminönü-Fähre, die mobilen Simid-Verkaufsstände, die man überall über die Stadt verteilt findet.

 

Spannend fand ich auf den Fotos zu entdecken, wie sich die Stadt in der Zeit seit meinem letzten Besuch vor 15 Jahren weiterentwickelt hat.

Für mich persönlich war damals das Interessanteste der vorherrschende Kontrast der uralten türkischen Kultur, sichtbar in der Architektur- und in der Alltagskultur, bei gleichzeitiger starker Öffnung zur Moderne hin. Insbesondere auf der europäischen Seite von Istanbul; nicht nur verkehrstechnisch trennten die Stadtfähren auf dem Bosporus diesen moderneren von dem anderen Teil Istanbuls auf dem asiatischen Kontinent.

Feyzi Demirels Fotos sind wenig touristisch und mit klassischen, aber heute noch existierenden Motiven. Die alten Fähren, die älteren Passanten könnten auch aus einer alten Zeit stammen, würden sich nicht manchmal die Zeichen der Neuzeit einschleichen: Smartphones, moderne Sneaker oder Over-Ear-Kopfhörer. Der Autor beschreibt mit seinen Bildern den Wandel Instanbuls und versucht ihn auf dem Stand 2015 festzuhalten. Und trotzdem wirken seine Fotos auf mich absolut zeitlos.

 

 

Fotobuch-Regal.de - Rezension: Feyzi Demirel - Istanbul'um - Vorderseite

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Fotobuch-Regal.de - Rezension: Feyzi Demirel - Istanbul'um - Rückseite

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Fazit:

 

Der Buch kommt auffällig rot daher, aber eher unspektakulär ohne Schutzumschlag und aus einem eher glatten Kartonmaterial, der Inhalt macht es aber wett.

Ich mag das Buch und die Bilder.

 

Feyzi Demirel dokumentiert das Alltägliche und zeigt das in seinen Augen Besondere und Schöne. Alles in S/W und ganz im Stile eines modernen Ara Güler.

Die Fotos erzählen mir eine Geschichte. Die Mikrogeschichten auf dem jeweiligen Bild: beim Friseur, am Brotstand, auf der Fähre, …  formen eine runde Foto-Story zu einem Gesamtbild(band), der die Stadt Istanbul im Jahr 2015 dokumentiert.

Ich erlebe die gleiche Stimmung wieder, die dich vorlängerer Zeit selbst in Istanbul verspürte. Die Stadt versprüht immer noch gleichzeitig den Charm von Tradition und Moderne.

 

Ein tolles Zeitdokument wie ich finde, und für alle Street-Fotografie Liebhaber geeignet!

Ich habe jetzt Lust in den nächsten Flieger zu steigen.

 

 

Buchdaten:

 

Format: Gebundene Ausgabe
   
ca. Maße cm (BxLxT): 31 x 25 x 1,5
Seitenanzahl: 112
ca. Gewicht: 860 g.
   
Autor(en): Feyzi Demirel
Verlag: Seltmann & Söhne
Auflage: 1
Erschienen am: 15.04.2016
   
ISBN: 9783944721804
Preis in (D): 35,00 €

 

Links:

 

Feyi Demirel - Istanbul'um* 

*

 

Link: Feyzi Demirel - Homepage

Link: Seltmann + Söhne - Homepage

 


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Fred Herzog - Modern Color

David Company / Hans-Michael Koetzle / Jeff Wall  

Fred Herzog - Modern Color

 

Fotobuch-Regal.de - Rezension: Fred Herzog - Modern Color

 

 

Inhalt:

 

Der Fotograf

 

Fred (Fritz) Herzog, heißt eigentlich Ulrich Herzog und er ist Deutscher.

 

Er wurde 1930 in der Region von Stuttgart geboren und verließ Deutschland im Jahr 1952 als Seemann, nachdem seine Mutter bereits 1941 und sein im Krieg verwundeter Vater 1946 verstorben war. So kam er 1953 erstmals nach Kanada und nach weiteren Jahren auf See ließ sich dort in Vancouver als medizinischer Fotograf im Jahre 1957 nieder.

Seine erste Kamera hatte er als 20-jähriger bereits 1950 in Deutschland gekauft.

 

Das Buch: Modern Color

 

Das Buch Fred Herzog - Modern Color* des deutschen Hatje-Cantz Verlags aus Berlin ist als zweisprachiger Hard-Cover-Band erschienen, im hinteren Buchteil finden sich zusätzlich die deutschen Übersetzungen der englischen Einleitungstexte.

 

In der Bucheinleitung ist zu lesen:

„Er fand Vancouver entzückend schäbig und farbenprächtig und begann, dies mit seiner 35-mm-Leica festzuhalten.“ „Mehr als ein halbes Jahrhundert lang beobachtete er den Kern der Stadt – wie sie lebte, arbeitete, spielte und sich veränderte.“ „Es ist weder der positive Blick, wie ihn städtische Beamte gern verwenden, noch ist er negativ. Es ist das … Auge des wachen Betrachters“.

 

In diesem Bildband finden sich neben einem Selbstporträt aus dem Jahre 1959 auch einige wenige Fotos aus den USA, Mexiko oder der Karibik. Die Bildauswahl ist aber analog des fotografischen Schwerpunkts von Herzog ausgewählt, die meisten der hier abgedruckten Bilder zeigen seine neue Heimat Vancouver.

Herzog fotografierte die gewöhnlichen Gebäude und Bürger, ganz alltägliche Szenen und Gegenstände, fertigte zwischen 1961 und 1990 neben seiner Tätigkeit als Universitätsfotograf über 100.000 weitere Bilder in seiner Freizeit an. Das sind rund zwei (analoge) Filme pro Woche, die er nach seiner eigentlichen Arbeit an tausenden Spätnachmittagen oder an Wochenenden aufnahm.

 

Als ehemaliger deutscher Seefahrer hat er quasi mit den Augen eines Touristen das Disneyland der Arbeiterklasse zum Zeitpunkt der damaligen Zeit fotografiert.

Seine alte deutsche Heimat rund um die Stadt Stuttgart war durch Bomben dem Erdboden gleichgemacht, die Reste verblieben Grau in Grau.

 

In seiner neuen Heimat findet er überaus bunte Werbeschilder in Geschäften, Lokalen und auf Hausdächern finden sich neben renovierungsbedürftigen Gebäuden. Für ihn war diese üppige Straßenszenerie noch neu, für einen Amerikaner bzw. Kanadier wäre es wohl nicht so spannend gewesen, diese Tristesse und Langeweile mit Kodakchrome in Farbe abzubilden.

„Herzog ist ganz offensichtlich ein Realist, … in seinen Bildern gibt es nichts Erzwungenes. Die Ergebnisse wirken fast mühelos.“ „Als eifriger Leser fühlte sich Herzog besonders hingezogen zu der von ihm selbst so bezeichneten spröden literarischen Objektivität“.

 

In einem Interview aus dem Jahre 2013 mit der amerikanischen Website „American Suburb X“ sagte Fred Herzog: „Ich nenne Kanada Amerika. Ich spreche über Nord Amerika. Ich differenziere dazwischen nicht viel“.

In beiden Ländern findet er große Autos, riesige Werbetafeln und geschäftige Fußgänger, welche die Aufmerksamkeit eines Street-Fotografen anziehen.

 

Das Außergewöhnliche:

 

Besonders beachtlich zu dieser damaligen analogen Zeit: Filmmaterial an sich war ein teures und wertvolles Gut und der neuartige Kodakchrome Dia-Farbfilm ISO 10 kostete noch einmal deutlich mehr als der übliche S/W-Film. Herzog fertigte gelegentlich auch Schwarz-Weiß-Bilder an, wie man im Buch sehen kann.

Seine Begeisterung galt aber den Farben und in seinen Fotos finden sich immer starke Farbkontraste.


Zum Aufnahmezeitpunkt waren Schwarz-Weiß-Fotos generell verbreiteter, eine künstlerische Fotografie wurde ausschließlich in S/W angefertigt, die neuartige Farbfotografie war etwas für Amateure.

Dies ist möglicherweise ein weiterer Grund, dass das farbige Werk von Fred Herzog nicht wirklich bekannt geworden ist. „Erst in den letzten Jahren begann man, Fred Herzogs Fotografien Vancouvers als wichtiges Geschenk zu empfinden“ und heute wird sein Werk mit Walker Evans, Robert Frank und anderen führenden Fotografen des 20. Jahrhunderts verglichen.

 

Auch in der Bucheinleitung werden einige von Herzogs Bildern denen anderer bekannter Fotografen gegenübergestellt. Es finden sich viele Parallele, auch wenn diese Fotografen sich bzw. das Werk des anderen nicht kannten.
Herzog fotografierte überwiegend mit der Leica M-3 Sucherkamera, seine Lieblingsobjektive waren neben einer 50-mm-Normalbrennweite das Hektor 4,5/135mm. Er betrieb Street-Photography und verwendete seine kleine diskrete Kamera häufig aus der Hüfte heraus und dabei vorfokussiert mit der Fokusfalle, um an unbemerkte Straßen-Aufnahmen zu gelangen.

 

Er wartete auch wie Henri Cartier-Bresson ganz bewusst auf den „entscheidenden Moment“, wie man z.B. an seiner Serie auf der Seite 192 und 193 sehen kann. An einer Straßenkreuzung, beleuchtet durch einen speziellen schmalen Lichtstreifen mit goldenem Licht, passt er mehrmals einen einzelnen Passanten ab, um vom Bildaufbau her gesehen, diesen und seinen frontal fallenden Schatten, an der idealen Stelle abzulichten.

Andere seiner Fotos spielen mit der verbindenden Fokusebene von gezeigter Architektur, Wanddekor und lebender Person. So befinden sich z.B. bei einer Aufnahme in einem Friseurgeschäft die an der Wand gezeigten Beispielfrisuren genauso in der Fokusebene, wie die durch die Schaufenster gezeigte, auf dem Bürgersteig spazieren gehende Person. Dieser Stil ist wiederholt festzustellen.


Was könnte aber nun dieses Geschenk an die Stadt Vancouver darstellen, welche „spezielle Leistung“ könnte dieser Fotograf erbracht haben?


Eine mögliche Antwort ist: Seine „Modern Color“ - Bilder waren zur damaligen Zeit etwas Neuartiges und stellen dadurch heute eine Rarität dar.

„Wer unbedingt Farbe aus der guten alten Zeit anschauen möchte“, kann dies hier nun tatsächlich tun. Und das noch auf Kodakchrome Farbdiapositiven mit einem überaus reichen Farbspektrum, welches damals nur mittels eines Dia-Projektors wahrnehmbar war. Die üblichen Cibachrome-Papierabzüge oder andere Druckverfahren konnten diesen Farbreichtum nicht abbilden. Jetzt sind diese Dias erstmalig vergleichbar einer Projektion durch moderne digitale Scans reproduziert.

Der Anlass von Herzogs Fotografie war zudem intrinsisch, er hatte weder einen Auftrag von Dritten, noch musste er eine gewünschte Sichtweise abliefern. Herzogs Fotografien ermöglichen einen anderen, weil ungekünstelten Blickwinkel auf die Stadt, den Alltag und das Leben in ihr, sind dadurch auch ein Teil der Stadtdokumentation geworden. Sein fotografisches Werk ist daher auch von sozialem Interesse für die Stadt Vancouver.

 

Die Bilder von Fred Herzog waren in Kanada zwar bekannt, große Aufmerksamkeit erhielt er aber erstmals im Jahre 2007 als bereits 77-Jähriger durch eine Ausstellung der Vancouver Art Gallery.

 

 

Fotobuch-Regal.de - Rezension: Fred Herzog - Modern Color - Vorderseite

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Fotobuch-Regal.de - Rezension: Fred Herzog - Modern Color - Rückseite

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Fazit:

 

Ich habe das fotografische Werk von Fred Herzog das erste Mal auf einer Ausstellung des C/O Berlin im Zeitraum 6.11.2010-9.1.2011 entdeckt.

Der damalige Ausstellungsband, ebenfalls aus dem Hatje Cantz Verlag, ist mittlerweile vergriffen. Dieses Buch ist jedoch eine schöne Alternative.

 

Manche seiner Fotos wirken auf den ersten Blick wie Schnappschüsse. Schaut man etwas genauer hin, entdeckt man recht schnell, dass seine Bilder gestaltet sind. Sei es durch bewusst eingesetzte Kontraste, Linienführung, oder durch die getroffene Bildaussage. Es lässt sich die Sozialkritik eines außenstehenden Betrachters entdecken, teilweise auch wohl kulturelles Unbehagen.

 

Nordamerika und Kanada muss für ihn als Einwanderer noch ungewöhnlicher, als für einen dort Geborenen gewirkt haben.

Das Leben der fünfziger, sechziger und teilweise siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts bestand nach den Zerstörungen der alliierten Bomberflotten nicht nur in Europa, sondern auch in den USA oder Kanada aus Tristesse und Kontrast. Einem Kontrast von Alt und Neu, Verfall und Aufblühen, Tradition und Moderne. So zeigen Herzogs Fotos Schmutz, abblätternde Farbe, verrottete Gebäude neben Neuwagen, moderne Amüsierviertel und bunter Neonwerbung. Besonders häufig werden Barber-Shops auf den Bildern festgehalten.

Entweder mochte Fred Herzog diese besonders oder er zeigte sie als Treffpunkt und Spiegelpunkt des aktuellen Lebens. Neben den Menschen in ihrer zeitgenössischen Kleidung, lassen sich in diesen aktuelle Werbung, andere Auslagen und Werbebotschaften entdecken. So bildet er auf den Wänden den aktuellen Zeitgeist des Jahres 1971 mit einem Bild der „Big Four“ (Churchill, Chiang Kai-Shek, Roosevelt, Stalin) oder von Martin Luther King ab.

Andere Fotos zeigen entrückten Tourismus, Touristen mit greller bunter Kleidung im Grand Canyon oder überbordende Farbigkeit der damals modernen blinkenden Neon-Reklameschilder. Vancouver zu diesen Jahren war mit seinen Werbeschildern, der Kleidung, den Autos schon damals bunt. Diese Farbigkeit kam erst mit einiger Verspätung durch das Wirtschaftswunder in Europa an.

 

Und Fred Herzog war einer der ersten, der diese Farbigkeit konsequent mittels Farb-Fotografie dokumentierte.

Seine als Einwanderer automatisch eingenommene Außenseiter-Sichtweise wird verstärkt durch seine so geschätzte „spröde literarische Objektivität“.

 

Seine Fotos erinnern mich an die realistische Malerei des amerikanischen Malers Edward Hopper, weltweit bekannt z.B. durch seine Bilder „Nighthawks“ (1942), „Chop Suey“ (1929) oder „Early Sunday Morning“ (1930). Genauso wie bei diesem finden sich in Herzogs Bildern häufig Fenster- oder Straßen-Szenen mit hochkontrastreicher Lichtszenerie.

Beispiele sind Herzogs Selbstporträt, die schon angesprochene Straßenszene auf Seite 192 und viele weitere. Beide schufen klare und figurative Bilder, die durch einen unterkühlten Stil etwas rätselhaft wirken und durch eine distanzierte, voyeuristische Perspektive dabei quasi objektiv einen Blick auf den aktuellen Zeitgeist ermöglichten.

 

 

Mir persönlich gefällt es sehr, in seinen Bildern die einzelnen Details der damaligen Zeit aufspüren. Man in seinen Bildern visuell herumwandern und skurrile Details, Alltagsgegenstände oder Werbebotschaften eines anderen Zeitalters entdecken.

Ob Herzog jetzt dafür ein besonderes Auge hat oder nicht, das Entdecken der Details vergangener Zeiten ist für unsere Generationen schon wieder spannend. Wie sah es damals aus, mit was umgaben sich die Menschen in Ihren Räumen, was hing an der Wand,… . Und Farbaufnahmen erleichtern dabei die Wahrnehmung dieser Details und solcher historischen Kontraste. Viele dieser Straßenzüge und -Kreuzungen Vancouvers existieren bis heute, ihre Ansicht hat sich jedoch drastisch gewandelt.

Vergleicht man den heutigen Anblick mit den alten Fotos, ist man erstaunt über die damalige Mode und Architektur oder über drei Stockwerke hohe Leuchtreklame bei einem vierstöckigen Gebäude des Astor Theaters Studios. In dem bis heute existenten Gebäude findet man nun die Fa. Starbucks.

 

Mit den eigenen Worten von Fred Herzog (Interview mit der Vancouver Sun, 2005):

„Mir war bewusst, dass ich Kunst aufnehme. Das war aber die Einbildung eines jungen Menschen. Ich wusste, dass das, was ich tue, nicht einzigartig ist, aber eines Tages würde ich damit herauskommen und die Menschen schockieren“.

 

Man könne auch die weitere Schlussfolgerung ziehen: Lasst uns unseren Alltag abbilden, selbst wenn dieser für uns vermeintlich langweilig wirkt.

Für spätere Generationen wird dieser Alltag „die gute alte Zeit“ sein!

 

Beim Bildband selbst fand ich – gerade unter Berücksichtigung des Kaufpreises – die Qualität sehr gelungen. Dieser Bildband zeigt 230 interessante Aufnahmen, hat eine tolle Papier- und Druckqualität.

Ich finde, er stellt einen schönen Schmuck für die Bibliothek eines jedes Fotografie-Liebhabers dar.


 

Buchdaten:

 

Format: Gebundene Ausgabe
   
ca. Maße cm (BxLxT): 27,5 x 27 x 2,5
Seitenanzahl: 320
ca. Gewicht: 1980 g.
   
Autor(en): David Company / Hans-Michael Koetzle / Jeff Wall
Verlag: Hatje Cantz
Auflage: 1
Sprache: Deutsch / Englisch
Erschienen am: 07.11.2016
   
ISBN: 9783775741811
Preis in (D): 38,00 €

 

Links:

 

Fred Herzog - Modern Color* 

*

 

Link: Equinox Gallery - Vancouver

Link: Hatje Cantz - Verlag

 


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Ian Shive - Die Nationalparks der USA

Ian Shive - Die Nationalparks der USA

Vom Yellowstone bis zu den Everglades

 

 

Fotobuch-Regal.de - Rezension: Ian Shive - Die Nationalparks der USA

 

 

 Inhalt:

 

Der Autor:

Ian Shive ist ein amerikanischer Naturfotograf, der auch als Film- und Fernsehproduzent arbeitet. Zudem bietet er in den USA Workshops für Landschaftsfotografie an und hat entsprechende Online-Kurse (auf Englisch) veröffentlicht.

Da er unter Amerikas Naturfotografen fast so bekannt ist, wie Art Wolfe oder John Greengo, hatte ich fünf Kurse von ihm bereits belegt,

 

 

Das Buch:

 

Was erwarte ich also von der deutschen Ausgabe seines Buches Ian Shive - Die Nationalparks der USA*, hier verlegt im National Geographic Verlag?

 

 

Meine Erwartung an das Buch:

 

Zunächst einmal einen großformatigen Foto-Bildband in guter Qualität zu erhalten, was Bindung und Druck angeht.

In dieser Hinsicht wird meine Erwartung auch nicht enttäuscht. Dieses rund 240 Seiten starke Buch kommt dem Preis angemessen akkurat und stabil gebunden, hochwertig im Druck und mit einem Schutzumschlag daher.

 


Der Titel verspricht als Inhalt „Die Nationalparks der USA – Vom Yellowstone bis zu den Everglades“.

Das Inhaltsverzeichnis klärt auf, dass die einzelnen Kapitel einen Schwerpunkt auf den Acadia-, Yosemite-, Yellowstone-, Great-Smoky-Mountains-, Everglades-, Glacier- und den Grand-Trenton – Nationalpark legen.

 

Im gesamten Band ist nur wenig Text zu finden, es sind jeweils kurze Einleitungen zu den einzelnen Kapiteln vorhanden und das restliche Buch besteht aus großformatigen, häufig doppelseitigen Bildern.
Dies ist auch kaum verwunderlich, die USA sind ein riesiges Land mit zurzeit 59 Nationalparks und man könnte einen dicken Band über jeden einzelnen dieser großen Parks herausbringen. Zudem ist Ian Shive bekannt als Top-Fotograf und nicht als Landschaftsautor.

 

Deshalb habe ich hier vornehmlich ein Portfolio (-Buch) von ihm erwartet, eine Zusammenstellung seiner besten Fotografien in gedruckter Form.

 

 

Der Stil dieses Fotografen:

 

Genau unter dieser Erwartungshaltung nehme ich das Buch in die Hand und bin schon nach dem ersten Durchblättern begeistert.

 

Es lassen sich viele bekannte Foto-Spots der USA wiederfinden, welche über das ganze Land verteilt sind. Entweder ist schon das Motiv so außergewöhnlich, dass man es nach einmaligem Sehen sofort wiedererkennt, oder die Fotos anderer Fotografen davon haben Weltruhm erlangt.

 

Der immer noch weltweit berühmte Fotograf Ansel Adams ist mit seinen und für seine Schwarz-Weiß – Fotos vom Half-Dome und dem El Capitan im Yosemite oder dem Mount McKinley (Denali) bekannt geworden.

Shive fotografiert überwiegend in Farbe und im Stil, wie es das Titelbild bereits andeutet: er mag es kontrastreich und stark farbgesättigt.

 

Selbst wenn man als Fotograf weiß, dass jedes Motiv im ersten oder letzten Tageslicht in ganz unterschiedlichen Farben leuchten kann, so geht Shive mit seinen Fotos fast immer bis an die Grenze des abbildbaren bzw. druckbaren Spektrums.

Gerade bei manchen Motiven mit einem orange-blau Kontrast bin ich schon versucht, an Kontrastkanten nach Halo-Rändern zu suchen. Wenn ich einen Kritikpunkt an diesem Band bzw. den Bildern habe, dann, dass ich persönlich die Farben in der Bildbearbeitung etwas gemäßigter ausgearbeitet mag.

Dies ist aber eine reine Sache des Geschmacks, auch Ansel Adams hat in der (analogen) Nachbearbeitung die Kontraste bis an das Limit gezogen, selbst wenn er in schwarz-weiß gearbeitet hat.

 

Ein zweiter kleiner Kritikpunkt ist, dass ich mir die Fotos im Buch geografisch geordneter gewünscht hätte.

Hier sind die Bilder nach einem mir nicht ersichtlichen System geordnet. Es sind Fotos von der kanadischen Grenze neben solcher südlichen Region abgebildet.

 


Besonders positiv ist mir aufgefallen:

 

Ian Shive ist ein hervorragender Fotograf ist; seine Bilder sind durchweg alle wohl gestaltet.

 

Beim Betrachten seiner Fotos kann man lernen, was die Schlüsselfaktoren dieser Bilder sind:

Die Herangehensweise an das Motiv (das Arbeiten mit verschiedenen Standpunkten), Komposition der Elemente im Bild, Arbeiten mit dem natürlichen Licht (Wahl des richtigen Aufnahmezeitpunkts für eine interessante Beleuchtung), Erzählen einer Geschichte (Wecken von Emotionen).

 

Zusätzlich zeigt dieser Bildband einen, wenn auch nicht repräsentativen, Querschnitt der gesamten Bandbreite der ganz unterschiedlichen Naturlandschaft der USA.

Durch die riesige Weite und eine Ausbreitung über verschiedene Klimazonen lassen sich monumental hohe Berge schneebedeckt mit grünen Tälern, dürre Gegenden mit gelb-orange Felswüsten und Kakteen, bis zu reinen Wüstenregionen mit weißem Sand entdecken.

 

Auch als Nicht-Fotograf wird man sofort Lust verspüren, in die USA zu reisen.

Und nicht wie oftmals wegen der Städte, sondern wegen der beeindruckenden und abwechslungsreichen Naturlandschaft, die man auf diesen Fotos kennengelernt hat. Für das eigene Entdecken der verschiedenen Parks wird eine einzige Reise wohl nicht reichen. Aber man kann ja schon mal die Ziele herauspicken, welche einen besonders ansprechen.

 

 

Fotobuch-Regal.de - Rezension: Ian Shive - Die Nationalparks der USA - Vorderseite

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Fotobuch-Regal.de - Rezension: Ian Shive - Die Nationalparks der USA - Rückseite 

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Fazit:

 

Die grandiosen Bilder dieses Buchs zeigen die unglaubliche Bandbreite der amerikanischen Landschaft.

 

Ich finde das Buch lehrreich und spannend für Fotografen, was die Bildgestaltung angeht. Und ebenso interessant für Freunde der nord-amerikanischen Natur.

Beide Zielgruppen können sich inspirieren lassen und bekommen so eine gute Vorbereitung für einen Besuch in den USA. Oder sie haben danach zumindest neue Reiseziele auf der Bucket - List.

 

 

Buchdaten:

 

Format: Gebundene Ausgabe
   
ca. Maße (BxLxT): 31,5 x 29 x 3 cm
Seitenanzahl: 240
ca. Gewicht: 2.000 g
   
Autor(en): Ian Shive
Verlag: National Geographic
Auflage: 1
Erschienen am: 13.06.2016
   
ISBN: 9783866904637
Preis in (D): 49,99 €

 

 

Links:

 

Ian Shive - Die Nationalparks der USA*

*

 

Link: Ian Shive - Homepage

Link: Ian Shive - Blog

 

Link: National Geographic - Verlag

 


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Peter Untermaierhofer - Lost Places fotografieren

Peter Untermaierhofer - Lost Places fotografieren

Von der Vorbereitung über das Shooting bis zur Nachbearbeitung

 

 

Fotobuch-Regal.de - Rezension: Peter Untermaierhofer - Lost Places fotografieren

 

 

Inhalt:

 

Lost Places

 

Lost Places üben etwas Anziehendes auf viele Fotografen aus. Oft handelt es sich bei diesen „verlassenen Plätzen“ um die Ansicht morbider Ruinen, ehemaligen urbanen Raumes, der nunmehr verrottet und dabei wieder zu seinem ursprünglichen Naturzustand übergeht. Bizarre Immobilien, Innenräume oder Detailaufnahmen von altertümlichen Dingen. Dinge welche im Verfall begriffen sind und trotzdem eine gewisse Schönheit ausstrahlen.

Um diese Schönheit des Verfalls auf ein Foto transportieren zu können, bedarf es weniger der Spontanität, eher der guten Vorbereitung und einer strukturierten Arbeitsweise des Fotografen.

 

Ob man jetzt diese Spezialität der Fotografie eher der Architektur- oder der Landschaftsfotografie zuschreibt, sie erfordert mehrere spezielle Kenntnisse, die man als Fotograf zuvor kennen und erlernen sollte.

 

Der Autor

 

Peter Untermaierhofer ist freiberuflicher Fotograf und hat bereits im Jahr 2013 zusammen mit Thomas Parent den Bildband „Vergessene Orte im Ruhrgebiet“* herausgebracht, in welchem die beiden verlassene Fabriken, Zechen oder andere Industriebrachen dokumentiert haben. In diesem Buch finden sich z.B. das Schiffshebewerk Walltrop, das Stahlwerk Becker (Willich), die Zeche Consol (Gelsenkirchen) oder die Henrichshütte Hattingen, neben den Hallenbädern in Krefeld und in Duisburg-Bruckhausen. Die Lost Places sind im Text kurz kommentiert, ein Lehrbuch stellt es aber nicht dar.

 

Das Buch: Lost Places fotografieren

 

Die notwendigen Arbeitstechniken beschreibt nun das weitere Buch Peter Untermaierhofer - Lost Places fotografieren* hier wirklich vertieft und didaktisch sehr gut aufgebaut.

 

Schon in der Einleitung beschreibt der Autor, welche Details für ihn ein gutes Lost-Places-Foto ausmachen und wie ein solches anspruchsvoll angefertigt werden kann. Welche Fehler dabei gemacht werden können bzw. besser vermieden werden sollten, welche Techniken zu „natürlich“ aussehenden Fotos führen und letztlich, welche abschließende Bildbearbeitung dazu erforderlich ist.

Der Leser findet in diesem Buch Besonderheiten, die Peter Untermaierhofer für ein gelungenes Foto erforderlich hält oder die ihm das Leben als Fotograf einfacher machen. So wird z.B. der Einsatz eines Smartphones oder Tablets als erweiterter Monitor bzw. Displayersatz und als Fernsteuerung für die Kamera beschrieben, was neue und sonst nicht mögliche Blickwinkel ermöglicht.

 

Ein zentraler Bestandteil des Buchs und ein Anliegen von ihm ist es, seine Sichtweise von einem guten Bild zu vermitteln. Wie man sich eine vorgefundene Location erarbeiten kann, sie lesen und dabei auf Besonderheiten achten kann. Welche Merkmale der aufgesuchten Örtlichkeit ein besonderes Motiv abgeben könnten, welcher Lichtabfall den Ort verändert. Wie man eine natürliche Rahmung des Motivs, Symmetrie, einen Goldenen Schnitt, führende Linien erhält und einen Anschnitt von Objekten, die Kameraeinstellungen, …, die Bild-Nachbearbeitung gestaltet.

Das sind alles Stichwörter, welche in jedem guten Lehrbuch zu finden sind.

 

Dies ist aber keine „Große Fotoschule“ im Allgemeinen, sondern die jeweilige Thematik wird konkret am Thema eines Lost Places erklärt und durch zahlreiche Bildbeispiele belegt.

Zudem gelungen finde ich, dass der Autor in Serien arbeitet, nicht nur ein eigenes gelungenes Endergebnis zeigt, sondern den Weg dorthin belegt. Über den ersten Test-Schuss hinaus die gegebenenfalls erforderlichen verbessernden Arbeitsschritte, deren fachliche Umsetzung dann textlich und bildlich erläutert wird.

Gerade dieses Bemühen des Autors um die Schulung des Fotografen zu einem guten Blick für gelungene Motive und im Ergebnis zu gelungenen Bildern finde ich erwähnenswert.

Es werden auch Gefahren oder Sicherheitsratschläge nicht vergessen, die jeder beherzigen sollte, der länger verlassene Grundstücke betritt.

 

Neben der rechtlichen Thematik, Lost Places sind oftmals zwar verlassen, aber immer noch in Privatbesitz und keinesfalls für jeden öffentlich zugänglich, stellt sich eigentlich immer auch die Frage nach dem technischen Ausgleich der vorherrschenden (Licht-) Kontraste, wenn Innenbereiche und Außenbereiche eines Gebäudes im Foto gleichzeitig abgebildet werden sollen.

Das Mittel der Wahl ist die Anfertigung einer HDR-Reihe bei einer Ausleuchtung nur durch natürliches Licht ohne Blitzeinsatz. Dabei geht es gerade nicht um eine Verfremdung oder eine unnatürliche Wiedergabe des vor Ort Gesehenen, sondern um eine möglichst realistische Darstellung der vorgefundenen Verhältnisse.

 

Auch dieses zentrale Thema des Buches finde ich äußerst treffend gelöst:

Das Schreck-Thema HDR wird detailliert besprochen, von einer negativen übertriebenen bildlichen Entfremdung bis zu einem Einsatz als gelungene Hilfe zu natürlichen Bildern.

Abschreckende HDR-Ergebnisse entstehen oft als Folge in Unkenntnis alternativer Aufnahme- und oder Bildbearbeitungstechniken. Wer sich mit der Objekt- und Innenraumfotografie beschäftigt, wird schnell feststellen, dass reines „natürliches Licht“ unter Verzicht von Blitzlicht die schönsten und natürlichsten Bildergebnisse erzielt.

Nur ein Problem besteht bei diesen Spezialobjekten eigentlich immer: die hohen Kontraste an den Stellen, bei denen durch Fenster oder andere Öffnungen ein Lichtabfall zum Innenraum hin entsteht oder ein Blick vom Inneren des Gebäudes nach Draußen möglich ist.

Vor Ort kann das menschliche Auge diese Helligkeitsunterschiede visuell ausgleichen, eine Kamera ist dazu technisch mit nur einem Bild nicht in der Lage. Die Anwendung geeigneter Techniken, um trotzdem zu guten Bildergebnissen zu gelangen, ist also Pflicht eines jeden Fotografen und nicht nur die Kür eines Profis.

Aus diesem Grunde empfinde ich die hohe Gewichtung dieser Lichtthematik auch als gut und nicht als übertrieben lang.

 

 

Fotobuch-Regal.de - Rezension: Peter Untermaierhofer - Lost Places fotografieren - Vorderseite

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Fotobuch-Regal.de - Rezension: Peter Untermaierhofer - Lost Places fotografieren - Rückseite

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Das Video zum Buch

Das Photogrist Photo Magazine hat ein paar der abgedruckten Bilder in einem kurzen Video zusammengestellt, so dass man einen schönen ersten Eindruck erhält:

 

 

Fazit:

 

Dieses Buch richtet sich nicht an Anfänger, die noch die Basics der Fotografie erlernen möchten.

 

Es ist eine detaillierte und schlüssige Arbeitsanleitung für fortgeschrittene Fotografen, die Architektur und Innenraumfotografie betreiben wollen, speziell die der Lost Places - Fotografie. Das Buch regt auch an, sich mit dieser eventuell noch unbekannten Sparte der Fotografie erstmalig zu beschäftigen.

Genau diesen Fortgeschrittenen der Fotografie mit Interesse an Lost Places mag ich das Buch empfehlen; ich habe dazu noch keine bessere Anleitung gelesen. Neben dem gut lesbaren Text gefällt mir die umfangreiche Bilddokumentation zum Verständnis des Erklärten.

 

Ich finde, es ist insgesamt eine erstklassige Anleitung zu diesem Metier.

 

 

Wer sich weniger für ein Lehrbuch, mehr für eine breite Variation von Lost Places - Bildern interessiert, empfehle ich die folgenden Bildbände:

Link: Thomas Kemnitz, Robert Conrad, Michael Täger - Stillgelegt: 100 verlassene Orte in Deutschland und Europa*

Link: Elin Andreassen u.a. - Die Welt der verlassenen Orte / Worlds Lost Places*

 

Buchdaten:

 

Format: Gebundene Ausgabe
   
ca. Maße cm (BxLxT): 27 x 22 x 2
Seitenanzahl: 215
ca. Gewicht: 1100 g.
   
Autor(en): Peter Untermaierhofer
Verlag: dpunkt
Auflage: 1
Erschienen am: 29.08.2016
   
ISBN: 9783864903144
Preis in (D): 34,90 €

 

Links:

 

Peter Untermaierhofer - Lost Places fotografieren* 

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Vincent Peters - Personal

Vincent Peters - Personal

 

Fotobuch-Regal.de - Rezension: Vincent Peters - Personal

 

 

Inhalt:

 

Die Person Vincent Peters

 

Vincent Peters, Jahrgang 1969, ist geborener Bremer und als junger Mann nach New York gegangen, um dort das Handwerk der Fotografie zu lernen.

Nach seiner Rückkehr nach Europa arbeitete er erst für Kunstgalerien, bis er 1999 als Modefotograf bei der Agentur von Giovanni Testino einstieg. Innerhalb kürzester Zeit wurden seine Fotos für Kampagnen der weltweiten Marken wie Bottega Veneta, Dior, Emporio Armani, Hugo Boss, La Perla, Louis Vuitton, Yves Saint Laurent, und viele andere verwandt.

Seine Bilder erschienen ab diesem Zeitpunkt in allen internationalen Magazinen von Rang und Namen und die Liste der von ihm porträtierten Stars scheint unendlich lang zu sein.

 

Der fotografische Stil

 

Mittlerweile unterliegt er als Star-Fotograf auch den Zwängen seiner Auftraggeber, die zwar seine Art der Fotografie kennen würden, ihn aber trotzdem nötigen, digital zu fotografieren.

 

Von der technischen Seite her gesehen mag Vincent Peters es eigentlich lieber analog, meistens ganz klassisch Schwarz-Weiß, mit feinem Korn, setzt das Licht als Dramaturgie ein und verändert dadurch das Modell und den Bildausdruck.

Am liebsten nutzt er bis heute seine erste Kamera, eine analoge Mittelformat - Kamera, die Mamiya RZ mit nur einem 110 mm - Objektiv. Digital sei ihm zu scharf in der Abbildung, würde ihm viel Atmosphäre nehmen. Seine Bilder leben von der räumlichen Atmosphäre, Bilder vor einer weißen Wand könne man von ihm nicht erwarten.

Peters fotografiert sehr viel mit Dauerlicht, was man seinen Bildern auch ansieht. Gerade die oftmals von ihm eingesetzten ARRI – Scheinwerfer geben seinen Bildern den typischen Mode - Look.

 

Kreativität bedeutet bei ihm, anders als viele andere Fotografen, dass er ohne große Anweisungen an das Modell arbeitet, seiner inneren Intuition Raum lässt und gerne improvisiert.

Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung zu seinem neusten Buch „Personal“, sagte der international erfolgreiche Star - Fotograf humoristisch in einem Interview:

„Man hat einen gewissen Geschmack, das kommt auch von innen. Man ist, was man ist, man kann nicht aus seiner Haut, aber man kann das kultivieren. Daraus entsteht das eigene Bild und irgendwann nennt man das den eigenen Stil“.

 

Was ist nun der eigene, der persönliche, Stil von Vincent Peters?

 

Es würde nicht einen Stil geben, so wie es nicht eine Sicht von einer Person geben würde.

„Ist die Person, die ich fotografiere, wirklich die Person, die sie sein will? Hat die Person die gleiche Idee von sich selber, die ich von ihr als Fotograf habe? Es gibt die Version der Person, wie sie öffentlich bekannt ist, es gibt die Version, wie sie wirklich ist, es gibt die Version des Fotografen, … da kommt viel zusammen“.

 

Das Foto entsteht bei Peters im Bauch, nicht im Kopf. Dieses innere Bedürfnis lässt bei ihm ein Bild entstehen, und zur richtigen Zeit hält er es nur noch mittels des Auslösers fest.

 

Sein zweites Buch: "Personal"

 

Dieses Buch Vincent Peters - Personal* ist sein zweiter Bildband und beinhaltet eine Zusammenstellung seiner persönlichen Arbeiten, bei denen er ohne Auftrag und ohne äußere Zwänge arbeiten konnte.

 

Herausgekommen ist ein Bildband, der ausschließlich dem weiblichen Geschlecht gewidmet ist und durchgehend klassische und einfühlsame Porträts zeigt.

Es werden im Großformat 235 Duplex-Aufnahmen und 15 Farb-Fotografien gezeigt. Unter ihnen sind wieder viele Stars zu entdecken, Penélope Cruz, Linda Evangelista und Irina Shayk sind nur einige seiner Lieblingssujets. Diese Bilder sind aber nach eigentlich anderen werblichen Fotostrecken entstanden. Es handelt sich um überwiegend bislang unveröffentlichte Aufnahmen, die nach Modestrecken zu persönlichen Zwecken und teilweise als Aktaufnahmen angefertigt wurden.

„Ich habe vor einiger Zeit angefangen, nach Shootings noch ein paar zusätzliche Aufnahmen zu machen, nur für mich und das Model. Ich kann dann einfach freier arbeiten, als wenn dreißig Leute um mich herum stehen, die alle mitreden wollen. Die meisten Fotos der Ausstellung sind auf diese Weise entstanden“, verriet er in einem FAZ-Interview.

 

Viele dieser Fotos wirken als Standbilder einem Film Noir der 50er Jahre entsprungen, die Modelle posieren im Ballettkleid oder teilweise nackt und verletzlich.

„Ich bin zwar beeindruckt von der Hochkultur des Lichts im Film der dreißiger bis hin zu den Fünfzigerjahren, etwa in „Der Dritte Mann“ oder „Blonde Venus“. Und mir geht es darum, Gefühl zu übertragen und eine gewisse Dramatik zu erzeugen, und das geschieht mit Hilfe des Lichts. Aber viel wichtiger als alle technischen Aspekte ist die Art und Weise, wie ein Modefotograf die Frau sieht. – Bei Ellen von Unwerth zum Beispiel wirkt sie lebenslustig, verführerisch, überdreht. Peter Lindbergh zeigt eher die emotionale und melancholische Seite. Jürgen Teller feiert das Atypische. Steven Meisel arbeitet Androgynität heraus. Die Frau, die ich suche, ist gefühlvoll, nachdenklich, sie trägt vielleicht einen Konflikt mit sich aus. Ich glaube, es steckt viel von Romy Schneider in ihr“, fasst er im gleichen Interview zusammen.

 

Peters beschreibt diesen Band selbst, als einen Versuch seine Ehe wieder aufzufrischen; er meint seine Beziehung zur Fotografie.

„Da war mal etwas, was das sehr gut war; wir haben uns mal sehr gemocht. Welche Bilder habe ich sehr gemocht, ohne dass ich von außen beeinflusst wurde? Was sind die Bilder, die ich wirklich machen möchte? Ich wollte eine Bestandsaufnahme machen; wo komme ich her, so gut bin ich und wohin kann ich mich noch entwickeln?

 

Das Buch heißt Personal, weil es für mich selbst ist, so wie ich alle Bilder für mich selber mache“.

 

Sein Kreativ-Tipp

 

Sein Tipp für Fotografen, die sich weiterentwickeln möchten:

„Sturheit ist wichtig; Augen zu! Und was siehst Du dann für Bilder, die Du nicht siehst? Geh nach innen und denke nicht an Technik. Ein gutes Bild hat Empathie und die hat es nur, wenn das Bild das ausdrückt, was Du fühlst. Denke darüber nach, was Du fühlst, und diese Gefühle muss man in der Folge technisch umsetzen. … Es geht um eine Sinnlichkeit, die ich vermitteln möchte. Und dieses Gefühl muss den anderen erreichen!“

 

 

Fotobuch-Regal.de - Rezension: Vincent Peters - Personal - Vorderseite

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Fotobuch-Regal.de - Rezension: Vincent Peters - Personal - Rückseite

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Fazit:

 
Mit minimalen Mitteln entstehen hier zeitlose, aber dramatische Porträts, die Raum für die Fantasie des Betrachters lassen. Intim, romantisch, voyeuristisch und glamourös zugleich. Der Betrachter sieht die schönsten Modelle von einer unerwarteten Seite.

Peters deutet mit leisen Tönen viel an und baut Spannung durch Lichtabfall und Verstecken auf. Auf mich wirken seine Bilder mit den dezent ausgeschmückten weiblichen Modellen sehr feinfühlig und sinnlich in einer Zeit der digitalen Schärfe. Sie sind subtil und zwischenzeilig, aber mitteilend, wenn man in ihnen lesen möchte.

 

Wer den eigentlichen Vincent Peters kennenlernen möchte, besucht eine seiner Ausstellungen oder schaut sich diesen wirklich großformatigen und hochqualitativen Band im vorzüglichen Stil an.

Dieses Buch ist erstklassig gedruckt auf ebensolchem Papier. Ein Band zum Verlieben, daher finde ich den Preis von knapp Euro 100 angemessen.

 

Für mich ein unglaubliches Buch. Vincent Peters ist für mich ein großer Meister des Lichts ähnlich wie Bruce Weber. Man kann unglaublich viel Inspiration aus diesem Buch schöpfen. Mich erreicht dieses Buch; großes Gedanken - Kino.



Buchdaten:

 

Format: Gebundene Ausgabe
   
ca. Maße cm (BxLxT): 29 x 36 x 2,5
Seitenanzahl: 112
ca. Gewicht: 2600 g.
   
Autor(en): Vincent Peters
Verlag: teNeues
Auflage: 1
Erschienen am: 15.09.2016
   
ISBN: 9783832734091
Preis in (D): 98,00 €

 

Links:

 

Vincent Peters - Personal* 

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Link: Vincent Peters - Homepage

Link: teNeues Verlag - Homepage

 

Wer sich mehr für Vincent Peters werbliche Modefotografie interessiert, sei sein erster Bildband empfohlen. Er ist anders, aber ebenfalls großartig. Große bekannte Namen, sehr plakativ inszenierte Porträts für eigentlich alle große Namen der Werbefotografie:

Vincent Peters - The Light Between Us – Virtuose klassische Porträts

 


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von Vasco R. Tintrup, Herausgeber:

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